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| Robert-Blum-Preis
2005 des Bundes Freireligiöser Gemeinden Deutschlands K.d.ö.R.
geht an Fritz Bode
Am
2. Oktober 2005 wurde in Ludwigshafen der Robert-Blum-Preis 2005 des Bundes
Freireligiöser Gemeinden Deutschlands (BFGD) an Fritz Bode verliehen.
In seiner Laudatio hob Dr. Volker Mueller, Präsident des Dachverbandes
Freier Weltanschauungsgemeinschaften (DFW), das jahrzehntelange Wirken
Bodes in der freigeistigen Bewegung hervor. Fritz Bode habe gerade auch
das Freireligiöse stets befördert und mit den anderen freigeistigen
Verbänden und Körperschaften verbunden. Die Preisverleihung sei
eine Würdigung seines Lebenswerkes für Religions- und Weltanschauungsfreiheit,
für Toleranz in den Lebensanschauungen der Menschen und für Geistes-
und Gewissensfreiheit. Durch sein gesamtes Leben und Wirken zieht sich
wie ein roter Faden Respekt und Achtung vor anderen Religionen und Weltanschauungen,
vor anderen Kulturen und Lebenseinstellungen. Ihre Grenzen sieht Fritz
Bode dort, wo Humanität, Toleranz und Demokratie verletzt oder verlassen
werden. Dies ist die Tradition, in der auch der große Freireligiöse
und Demokrat Robert Blum stand. Fritz Bode beeindruckte und prägte
viele in der freigeistigen Bewegung Aktive, sich für die Ideale der
Aufklärung, des Humanismus und der Geistesfreiheit einzusetzen, damit
niemand den menschlichen Geist und eine frei gewählte Lebensanschauung
bevormundet und vorschreibt, damit der Glaube frei und ohne Zwang sei.
Kurz nach der Wende 1991 war Fritz Bode noch Präsident des Deutschen
Volksbundes für Geistesfreiheit, dem dann umbenannten heutigen Dachverband
Freier Weltanschauungsgemeinschaften (DFW). Er hat die ostdeutschen Freigeister
mit Herzlichkeit und Offenheit aufgenommen, wie sie es nicht immer von
Westdeutschen erlebt haben. Der Laudator und jetzige DFW-Präsident
Volker Mueller betonte, er bemühe sich, Bodes Werk fortzusetzen, um
die freigeistigen Kräfte zu bündeln. Im DFW setzte er sich stets
für einen religionsund lebenskundlichen Unterricht – alternativ zum
christlichen Religionsunterricht – ein und wirkte schon 1957/58 an einem
entsprechenden Rahmenlehrplan des Dachverbandes mit. Das integrative Unterrichtsfach
„Lebensgestaltung/ Ethik/Religionskunde“ (LER) unterstützte er. Der
ehemalige Bundesjugendleiter der Freireligiösen Jugend Deutschlands
hatte noch weitere Funktionen im freigeistigen Bereich inne, u.a. als jahrzehntelanger
Sprecher der Freigeistigen Gemeinschaft Bremen, als Grundsatz- und als
Bildungsreferent des BFGD und als Vorsitzender der Eekboom-Gesellschaft,
die sich der freigeistigen Kultur verschrieben hatte. Wichtige Bücher
gab er dort mit heraus: „Lieder des Lebens“, „Unser Sterben im Leben“ und
das Jugendfeierbuch „Geh deinen Weg“. Er war vor allem bei Jugendweihen
bzw. Jugendfeiern von 1955 bis 2000 Festredner und Jugendstundenleiter
und hat auf ca. 1200 Trauerfeiern und zu 150 Ehe- sowie Namensfeiern gesprochen. |
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Der
DFW ist in der IHEU aktiv
Der
Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. (DFW) ist nun höchst
offiziell Mitglied der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union
(IHEU), der weltweit größten Dachorganisation von Humanisten,
Freidenkern und Freigeistern.
Schon
seit längerem beteiligt sich der DFW an internationalen Aktivitäten
im freigeistigen Spektrum, bei der Wahrung und Erlangung der Menschen-
und Freiheitsrechte in der Welt, der Gewissens- und Weltanschauungsfreiheit
und der Gleichbehandlung der Menschen unabhängig von Lebensanschauungen,
Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung und Rasse. In den letzten
Jahren hat sich der DFW insbesondere auch in der Europäischen Humanistischen
Föderation (EHF) für die Probleme der Entwicklung einer EU-Verfassung
und der Vertretung konfessionsfreier Interessen in Europa eingesetzt. Am
7.7.2005 erfolgte die formale Aufnahme in die IHEU einstimmig in der Generalversammlung
in Paris. Renate Bauer und ich haben daran teilgenommen und den DFW vorgestellt
(siehe mein Statement unter: www.dfw-dachverband.de). Unsere Aufnahme ist
ein wesentlicher Schritt zur weiteren Öffnung des DFW und seiner Mitgliedsverbände
zu den internationalen Fragen der freigeistigen und humanistischen Bewegung.
In der IHEU sind zur Zeit 100 Mitgliedsorganisationen, sie hat einen offiziellen
Status bei der UNESCO und anderen internationalen Gremien. Wir werden uns
gewiss gegenseitig – mit den anderen IHEU-Mitgliedern – befruchten und
die Kräfte weiter bündeln. Erste Anfänge sind mit freidenkenden
Organisationen in Frankreich, in Skandinavien und Indien besprochen worden.
Begleitend zu der IHEU-Generalversammlung fand eine Welt-Humanismus-Konferenz
statt, die im Pariser UNESCO-Hauptquartier und an der Sorbonne tagte. Sie
beschäftigte sich vor allem mit Geschichte und Gegenwart des Verhältnisses
von Staat und Kirchen, von Staat und Religionen und Weltanschauungen. Hierzu
wurde eine interessante Erklärung erarbeitet (www.iheu.org). Deutlich
wurde, dass es ein übergreifendes Anliegen der IHEU-Mitglieder ist,
Staat und Religionen getrennt zu wissen bzw. sich weltweit dafür einzusetzen.
Die Religions- und Weltanschauungsfreiheit gilt es, als individuelles Menschenrecht
zu wahren, aber daraus keine Privilegien für einzelne Religionsgemeinschaften
abzuleiten. Auch fundamentalistische und dogmatische Anschauungen unterliegen
weiterhin freigeistig-humanistischer Kritik. In Paris fand ebenfalls ein
Internationales Jugendtreffen, von der IHEU-Jugendorganisation veranstaltet,
statt. Bereits zum vierten Mal sind junge Humanisten und Freidenker aus
aller Welt zusammengetroffen, um in Zusammenarbeit mit anderen neue Ideen
für ihr Land zu erlangen, in Zeiten der Globalisierung neue Kontakte
zu knüpfen und ihre Aktivität in humanistischen Organisationen
weiter zu entwickeln und zu stärken. 43 Konferenzteilnehmer aus 20
Staaten waren dieses Jahr vertreten. Themen der diesjährigen Veranstaltung
der International Humanist and Ethical Youth-Organisation (IHEYO) waren
„Interculturalism“ und die aktive Teilnahme der Jugendlichen an neuen Projekten
und Ideen für eine bessere Zukunft. Besonders freue ich mich, dass
als deutsche Vertreterin Silvana Uhlrich (Mitglied des Humanistischen Freidenkerbundes
Brandenburg e.V. im DFW) zur 2. Vizepräsidentin der IHEYO gewählt
wurde. Wir wollen also im DFW unsere humanistische und weltbürgerliche
Verantwortung auf verschiedenen Ebenen ernst nehmen und uns dafür
aktiv engagieren. Die nächsten Jahre werden weitere Herausforderungen
mit sich bringen, für die wir gut organisiert sein wollen und in weltweiter
Vernetzung kompetente Partner und Freunde benötigen.
Dr.
Volker Mueller
Präsident
des DFW |
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Festveranstaltung
der Freireligiösen Gemeinde Berlin
Friedhöfe
spiegeln auf besondere Weise die Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner
wider.
Am
21. August 2005 feierte die Freireligiöse Gemeinde Berlins ihr 160-jähriges
Gründungsjubiläum
und
10-jähriges Bestehen des Friedhofsparks. Nach einer Mitgliederversammlung
in den Gemeinderäumen mit der Ausstellung „Kein Jenseits ist, kein
Auferstehn – Freireligiöse in der Berliner Kulturgeschichte“ begann
die Veranstaltung mit der Schauspielerin und Sängerin Isabel Neuenfeldt
am Stiftungsstein des Friedhofsparks. Sie verlieh der Gedenkfeier mit ihrem
emotionalen Akkordeonspiel und Gesang eine besonders eindrucksvolle musikalische
Gestaltung. Die Zuhörer erlebten die Uraufführung von Gedichten
aus dem lyrischen Werk von Bruno Wille (1860-1928), die die Künstlerin
vertont hat. Er wirkte als freireligiöser Jugendlehrer und Vorsitzender
des Bundes der Freireligiösen sowie als Begründer der „Freien
Volksbühne“ und erhielt 1912 einen schwedischen Literaturpreis. Im
Rahmen der Festveranstaltung wurden die nach historischen Vorlagen wiederhergestellten
Namenszüge von Adolf und Emma Harndt auf einem imposanten Natursteinfindling
enthüllt. Adolf Harndt (1874–1932) wirkte jahrzehntelang als Geschäftsführer
der Freireligiösen Gemeinde Berlins und war auch Sekretär von
Adolph Hoffmann (1858–1930), der u.a. als preußischer Kultusminister
und legendärer Führer der Arbeiterbewegung Bekanntheit erlangte.
Danach leitete der Historiker und Publizist Daniel Küchenmeister eine
Gesprächsrunde, in der verschiedene Aspekte der zu Unrecht vergessenen
Geschichte der freireligiösen Bewegung erhellt wurden. Es diskutierten:
Anke Reuther (Vorsitzende der Gemeinde und Leiterin des Zentrums zur Erforschung
der Freireligiösen Bewegung), Claudia von Gélieu (Politikwissenschaftlerin
mit dem thematischen Schwerpunkt Frauengeschichte), Klaus Hugler (Lehrer
und Autor einer Publikation zu Bruno Wille), Volker Schröder (Aktion
18. März) und Sabine Koß vom Garten- und Grünflächenamt
des Bezirkes. Während der Veranstaltung war die neuromanische, 1905
bis 1907 von Otto Trewendt errichtete Feierhalle der Freireligiösen
Gemeinde Berlins geöffnet und zahlreiche Besucher informierten sich
über Neuerscheinungen der kleinen biographischen Publikationsreihe
der Gemeinde und künftige Veranstaltungen.
Astrid
Schlegel
Geschäftsführerin
der Freireligiösen Gemeinde Berlin e.V. |
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Ist
Europa noch zu retten?
Einladung
zum 22. DFW-Seminar
Der
DFW führt vom 27. bis 29. Januar 2006 in der Frankenakademie Schloss
Schney sein 22. DFW-Seminar durch. Es wird das Thema „Ist Europa noch zu
retten? – Plädoyer für eine soziale Bildungspolitik in Europa"
behandelt. Als Referenten werden u.a. angekündigt: Dr. Georges Liénard
(Europäische Humanistische Föderation, Brüssel) und Gerd
Eggers (Humanistische Union, Berlin). Horst Prem und Dr. Volker Mueller
werden das Wochenendseminar leiten. |
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Weimarer
Republik – ist es wieder soweit?
Bestandsaufnahme
wider die politische Perspektivlosigkeit
Während
eines Seminars mit obigem Titel in der Jugend- und Bildungsstätte
Klingberg (bei Scharbeutz/Ostsee) Anfang Oktober berichteten Zeitzeugen
über die Situation in der Weimarer Republik. Auch wenn heute keine
Hungersnot droht, die Perspektivlosigkeit von damals ist auch durch den
vertrauensschädigenden Eigennutz der Parteien befördert worden.
Es bestand Einvernehmen, die Errungenschaften der Technik zu nutzen, um
unseren Lebensstandard zu sichern. Die Kernthese, dass Sozialsysteme und
nicht Wirtschaftsräume konkurrieren, war Ergebnis des Seminars. In
Sozialsystemen dieses Zuschnitts müssen die Lohnnebenkosten entsprechend
ihrer Produktionsmächtigkeit auf Arbeits- und Energiekosten aufgeteilt
werden. Von daher können die Errungenschaften der Automatisierung
erhalten werden bei gleichzeitig konkurrenzfähigen Arbeitskosten.
Ergebnis war die folgende Zusammenfassung: Das Scheitern der Weimarer Republik
schwebt noch über den Deutschen und die Angst vor jenen wirtschaftlichen
Umständen lebt. Bei aller verfassungsrechtlichen Stabilität ist
die Demokratie gefährdet, wenn der Bürger seine Rechte nicht
wahrnimmt. Aufgabe und Pflicht eines jeden ist, sich zu informieren und
an der politischen Willensbildung auch außerhalb der Parteien teilzunehmen,
z. B. in Bürgerinitiativen, Wählervereinigungen und Nicht-Regierungs-Organisationen
(NGOs). Es gibt keine Möglichkeit unpolitisch zu handeln. Der parteipolitische,
vertrauensschädigende Eigennutz muss überwunden werden, um die
dringenden Probleme des Landes zu lösen. Dringende Probleme sind:
Arbeitslosigkeit, Renten- und Gesundheitsvorsorge, Familien- und Bildungspolitik,
Energieversorgung. Die heutige Arbeitslosigkeit ist strukturell bedingt
und nicht durch konjunkturelle Maßnahmen wie z. B. Wirtschaftswachstum
zu lösen. Der Zusammenhang zwischen den sozialen Fragen und einer
reformierten Energiebesteuerung ist in den Parteien noch nicht vollständig
verstanden. Rechts- und Sozialstaatlichkeit müssen der Globalisierung
der Wirtschaft folgen. Hier sind wir alle gefordert, auf einen globalen
Wertekonsens (Weltethos) hinzuarbeiten. Ein neuer Anlauf zur EU-Verfassung
sollte die regionalen Belange durch konsequente Umsetzung des Subsidiaritätsprinzips
und das Prinzip der Gewaltenteilung berücksichtigen.
Klingberg,
3.10.2005
Die
Teilnehmer des Seminars |
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| DFW
für ein soziales Europa
Die
Europäische Union ist nicht nur eine Wirtschafts-, sondern auch eine
Wertegemeinschaft. Dennoch besteht gerade bei der Europäischen Kommission
die Tendenz, wirtschaftliches Handeln den Prinzipien einer ungezügelten
Marktwirtschaft zu unterwerfen, ohne auf die Auswirkungen derselben auf
das Leben der Menschen Rücksicht zu nehmen. Die Europäische Union
muss mehr soziale Akzente setzen, um ihren Bürgerinnen und Bürgern
ein Minimum an sozialer Sicherheit zu bieten. Der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften
unterstützt die Forderungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands
und anderer Sozialverbände, sich stark zu machen für ein soziales
Europa.
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Das soziale Profil der Europäischen Union muss gestärkt werden,
indem bei allen Entscheidungen der Kommission und anderen EU-Organisationen
die sozialen Konsequenzen mitbedacht und in der Entscheidungsfindung berücksichtigt
werden. Klare Kompetenzabgrenzung und Einhaltung des Prinzips der Subsidiarität
sind notwendig, um ein unkoordiniertes Nebeneinander regionaler, nationaler
und europäischer Sozialpolitik zu vermeiden. Alle politischen Prozesse
müssen transparent sein und unter Beteiligung der Parlamente und im
Dialog mit den Wohlfahrtsverbänden sowie anderen Interessenvertretern
erfolgen.
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Im Bereich der Daseinsvorsorge muss die besondere Bedeutung gemeinwohlorientierter
Dienstleistungen für das Individuum und die Gesellschaft anerkannt
werden. Freigemeinnützige Dienstleistungen sind ausreichend gesetzlich
zu verankern.
-
Sowohl die sozialen Dienste als auch die Gesundheitsdienste müssen
aus dem Anwendungsbereich der Dienstleistungen herausgenommen werden, um
die Qualität der Dienste und die Interessen der Konsumenten und Konsumentinnen
bestmöglich zu wahren. Die Einführung des Herkunftslandprinzips
mit der Konsequenz, dass ein Dumpingwettbewerb zu Lasten sozialer Standards
einsetzt, muss verhindert werden. |
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„Utopien
zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Perspektiven utopischen Denkens“
Freie
Akademie tagt vom 28. April bis 1. Mai 2006 auf Schloss Schney
Wissenschaftliche
Leitung: Dr. Volker Mueller und Dr. Falko Schmieder
Seit
geraumer Zeit befindet sich das utopische Denken vor neuen Herausforderungen.
Zum einen scheint es, als ob die Erfahrungen mit politischen Diktaturen
aufs Ganze bezogene alternative Gesellschaftsentwürfe vollständig
diskreditiert haben; zum anderen scheinen die aktuellen Erfahrungen mit
einer sich verselbständigenden globalen Ökonomie und ihren zahlreichen
Sachzwängen das Denken immer fester an das Bestehende zu binden und
auf unmittelbar Machbares zu verpflichten. Pragmatik scheint vor visionärem
Denken und perspektivischem Handeln (absoluten) Vorrang zu haben. Wenn
das menschliche Denken doch einmal die Kraft zur Übersteigung der
Realität findet, dann scheint dies nicht mehr in der Form utopischen
Denkens, sondern in Form religiöser oder irrationaler Vorstellungen
oder aber in Form technizistischer Prognosen zu geschehen. Wir möchten
herausarbeiten, dass das utopische Denken davon deutlich verschieden ist,
denn es vertraut auf die konstruktiven Kräfte der Vernunft, es motiviert
zum Vordenken und zur Zukunftsverantwortung, und es kann normative Bilder
möglicher alternativer Gemeinwesen entwerfen. In welcher Weise dies
konkret geschieht, ist freilich immer von besonderen gesellschaftlichen
Umständen abhängig, woran es auch liegt, dass die Geschichte
des utopischen Denkens eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Weltentwürfe
sowie verschiedener weltanschaulicher und ethischer Überlegungen hervorgebracht
hat. Ohne utopisches Denken ist auch die Wissenschaftsentwicklung undenkbar.
Naturwissenschaft und Technik haben innovative methodische Vorgehensweisen
entwickelt, die wissenschaftlichen Fortschritt erst ermöglicht haben.
Utopien haben eine wichtige und nicht wegzudenkende Funktion – in Geschichte,
Gegenwart und Zukunft. Komplexes und interdisziplinäres Erfassen von
Tatsachen und deren „Verlängerung“ in die Zukunft schaffen neue Sichtweisen
sowohl in den Wissenschaften und der Philosophie als auch in Politik, Ökonomie
und Kultur. Der Rolle des Utopischen bei diesem Erfassen wollen wir auf
unserer Tagung der Freien Akademie nachgehen und dazu herzlich einladen. |
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| Rainer
Schrauth erneut BFGD-Präsident
Auf
der Bundesversammlung des Bundes Freireligiöser Gemeinden Deutschlands
(BFGD) ist der Landesvorsitzende Badens, Rainer Schrauth, mit 96 Prozent
der Stimmen erneut zum Präsidenten gewählt worden. Vizepräsident
wurde der Pfälzer Siegward Dittmann, Schatzmeisterin Ingeborg Laszlo
(Mannheim). Dem Präsidium des BFGD gehören als Beisitzer Irmgard
Kofink-Klehr (Ludwigshafen), Tanja Saini (Karlsruhe) und Richard Sickenberger
(Offenbach) an. Die Bundesversammlung begann am Freitagabend mit einem
Empfang der Vertreter des BFGD durch die Stadt Ludwigshafen im Stadtmuseum.
Sozialdezernent Wolfgang van Vliet hob dabei das herausragende Wirken Freireligiöser
in Ludwigshafen heraus, weshalb beispielsweise zahlreiche Straßen
und Plätze der Stadt nach Vertretern der pfälzischen Freireligiösen
benannt sind (u.a. Josef Queva, Franz Josef Ehrhart, Jakob Binder, Otto
Metz und seit kurzem Arno Reinfrank). Van Vliet wünschte der Versammlung
viel Erfolg. BFGD-Präsident Rainer Schrauth bedankte sich für
den freundlichen Empfang. Nach der sehr harmonisch verlaufenen Delegiertenversammlung
am Samstagvormittag mit Geschäftsberichten und Neuwahlen diskutierten
die Delegierten und Gäste das Thema der Versammlung: „Ein Europa der
Kulturen – eine Kultur Europas“. Im Podium waren angekündigt: Deborah
Kaemper (jüdische Gemeinde Mannheim, Renate Bauer (Freireligiöse
Landesgemeinde Pfalz), Prof. Marius de Sterio (Luxemburg, Internationale
Humanistische und Ethische Union – HEU), Dr. Hanns-Christoph Picker (ev.
Gemeinde) und Jakup Divrak (muslimische Gemeinde, leider nicht erschienen),
Moderator Dr. Volker Mueller (Präsident des Dachverbandes Freier Weltanschauungsgemeinschaften
– DFW). Weitere Workshops fanden statt zu dem Thema „Die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen
bei den europäischen Institutionen, speziell Europarat (Silke Trommer,
Speyer, und Prof. Marius de Sterio) und „Die Arbeit der IARF (Internationale
Vereinigung für religiöse Freiheit)“ mit Manfred Paul und Wolfgang
Jantz (Deutsche Unitarier Religionsgemeinschaft). Zum pfälzischen
Abendessen und Abendprogramm begaben sich die Delegierten zur IBF (Interessengemeinschaft
Behinderte und ihre Freunde). Das Theater Bagage sowie Hilmar Kühn
und Thomas Metzler mit Texten von Arno Reinfrank gestalteten das kulturelle
Programm. |
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