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| Ehrenmitgliedschaft
für Dr. Finngeir Hiorth
Der
international geachtete norwegische Philosoph, Autor und Freigeist Dr.
Finngeir Hiorth ist im Rahmen eines Kosmologie-Seminars in Neustadt am
Rübenberge (bei Hannover) zum Ehrenmitglied der Freigeistigen Aktion
für humanistische Kultur e.V. ernannt worden. Der Autor zahlreicher
freigeistiger Bücher, die internationale Verbreitung finden, konnte
die Ehrung aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst entgegennehmen.
Stellvertretend für den ehemaligen Dozenten der Universität Oslo
nahm Prof. Dr. ans-Günter Eschke (Jena) die Urkunde entgegen
und bedankte sich im Namen Hiorths. Für den hiesigen Buchmarkt sind
einige von Finngeir Hiorths Büchern vom Angelika Lenz Verlag in deutscher
Sprache herausgegeben worden, und zwar: „Atheismus - genau betrachtet“,
„Humanismus - genau betrachtet“, „Ethik für Atheisten“ und als jüngstes
Werk „Urknall - ja oder nein? Wissenschaft, Religion und Philosophie“. |
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„Irgendwo
ein Punkt“
Kosmologie-Seminar
der Freigeistigen Aktion
Wer
sind wir, woher kommen wir und wohin gehen wir? Das sind die uralten Fragen,
die den Menschen angesichts des gestirnten Himmels überkommen. Bei
einem kürzlich in Neustadt am Rübenberge (bei Hannover) abgehaltenen
Kosmologie-Seminar gab es gute Gelegenheit, diese Fragen zu vertiefen.
Die Freigeistige Aktion für humanistische Kultur e.V. und der Angelika
Lenz Verlag hatten in guter monistischer Tradition einen wissenschaftlich
untermauerten Blick in den Bereich der Kosmologie ermöglicht. Die
Teilnehmer bekamen in den zwei Tagen einen sowohl wissenschaftshistorischen
als auch philosophischen und astrophysikalischen Hintergrund für die
Problemstellung. Die Kosmologie ist eine sehr weit in die Menschheitsgeschichte
zurückreichende Wissenschaft, die zuerst fast immer Spekulation war
und erst mit der Aufwärtsentwicklung der technischen Möglichkeiten
allmählich ihre Bestätigung erfuhr. Obwohl das so ist, gerät
man immer ins Staunen über die Geisteskraft der antiken Astronomie,
deren Denkergebnisse zum Teil bis heute Gültigkeit haben. Die bei
ihnen bereits gesicherte Geozentrizität wurde im kirchengeprägten
Mittelalter wieder zurückgenommen und musste im Kampf gegen die Inquisition
mit viel Mut durch Menschen wie Tycho de Brahe, Nikolaus Kopernikus, Johannes
Kepler und Giordano Bruno behauptet werden. Wenn wir uns an den Tod Brunos
auf dem Scheiterhaufen erinnern, gewinnen wir einen Eindruck vom Ringen
um ein säkulares und wissenschaftlich begründetes Weltbild. Im
Anschluss an diesen Exkurs, der von Arnher Lenz und Bernhard Ahlbrecht
gestaltet wurde, gab Gerd Weidemann von der Volkssternwarte Hannover einen
achtungsgebietenden Einblick in die Kosmosforschung unserer Zeit. Hier
bekamen die Teilnehmer einen Eindruck vom Aufschwung der Physik, die zu
einer Grundlagenwissenschaft für die Kosmologie wurde. Die Einsteinsche
Formel E = mc2 führte, in diesen Zusammenhang
gestellt, zu beachtlichen Einsichten in den Energiehaushalt unserer Sonne.
Spätestens bei dem Hinweis, dass unsere Sonne eine unter vielen Milliarden
ist und unser Milchstraßensystem ebenfalls nur irgendeines unter
Milliarden ähnlicher Systeme ist, schrumpft die eigene Größe
ins Unbedeutende. Die Raumzeit mit ihrer Dimension „Lichtjahr“ bestärkte
diesen Eindruck noch wesentlich, als zu erfahren war, wie viele Millionen
Lichtjahre die Ausdehnung des Universums beträgt. Der „Anblick einer
zahllosen Weltenmenge vernichtet ... meine Wichtigkeit“. Dieser Eindruck
Kants bei der Himmelsbeobachtung war der „geistige“ Aufhänger Dr.
Volker Muellers für seinen Vortrag: „Immanuel Kant zwischen Kosmologie
und Aufklärung“. Sehr plastisch stellte der Vortragende die Bedeutung
Kants für die philosophische Begleitung der Kosmologie heraus. Zugleich
aber positionierte er Ernst Haeckel mit seiner stärker säkularen
wissenschaftlichen Leistung dagegen. Natürlich würdigte er in
seinen Ausführungen in Haeckel auch den Begründer des Monismus.
Insgesamt rundete Volker Mueller den Eindruck ab, dass Gott in der Kosmologie
keinen Platz hat. In einem Resümee muss festgehalten werden, dass
die Annäherung an dieses zutiefst weltanschauliche Thema in einer
säkularen, nichtreligiösen Haltung vollzogen wurde, die in jeder
Betrachtungsphase von einer achtungsvollen Ethik erfüllt war. Im Rahmen
des Kosmologie-Seminars der Freigeistigen Aktion wurde der norwegische
Philosoph, Autor und Freigeist Dr. Finngeir Hiorth zum Ehrenmitglied der
F.A. ernannt (siehe vorstehenden Bericht).
Peter
Reuther
Freireligiöse
Gemeinde Berlin |
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| HUMANISTISCHE
UNION fordert angesichts der Krise der Staatsfinanzen den finanziellen
Solidaritätsbeitrag der Kirchen
Der
staatliche Sozialabbau nimmt von Tag zu Tag schlimmere Ausmaße an.
Angesichts des finanziellen Kahlschlags, der mit dem Abschluss der Koalitionsvereinbarung
zwischen CDU/CSU und SPD droht, wird die Situation für sozial Schwache
immer prekärer. Für sie bedeuten Mehrwertsteuererhöhung,
faktische Rentenkürzungen etc. ein Leben unterhalb des Existenzminimums.
Wo bleiben angesichts der Abbrucharbeiten am verfassungsrechtlichen Sozialstaatsprinzip
die großen christlichen Kirchen?
-
Der Staat nimmt den Kirchen die Arbeit ab, ihre Mitgliedsbeiträge
(ca. 7,9 Mrd. Euro jährlich) zu kassieren.
-
Öffentliche Kassen finanzieren kirchliche Einrichtungen mit rund 10
Mrd. Euro jährlich, aufgebracht von allen SteuerzahlerInnen - ob Kirchenmitglieder
oder nicht, ob Moslems oder Atheisten. - Die Steuereinbußen aufgrund
der Absetzbarkeit der Kirchensteuer als Sonderausgabe belaufen sich zur
Zeit auf rund 3,7 Mrd. Euro im Jahr.
Als
völlig selbstverständlich sehen es die Kirchen wohl auch an,
dass sie von allen Steuerzahlungen befreit sind, auch von der Vermögenssteuer.
Sie zahlen keine Gerichtskosten und Verwaltungsgebühren, und die Ausbildung
des kirchlichen Nachwuchses schlägt mit rund 630 Mio. Euro zu Buche.
Aus
Steuermitteln werden auch die sogenannten Staatsleistungen und Sonderzuweisungen
aufgrund von Konkordaten und Kirchenverträgen bezahlt. Die Staatsleistungen,
genauer die Dotationen der Bundesländer, belaufen sich auf rund 420
Mio. Euro jährlich. Diese Zahlungen sind Ersatzleistungen für
Enteignungen von Kirchengütern aus der Reformationszeit (!) und aus
der Zeit der Kriege Napoleons (!); sie werden sogar von den neuen Bundesländern
eingefordert. Die Rechtskonstruktion ist abenteuerlich, auch angesichts
der Umstände, unter denen die Kirchen im Laufe der Geschichte an ihr
Vermögen gekommen sind. Seit der Weimarer Reichsverfassung 1919 besteht
der Verfassungsauftrag, diese Staatsleistungen abzulösen.
Die
Kirchen sollten von sich aus ein Zeichen setzen und auf weitere Zahlungen
aus Staatsleistungen verzichten. Ein solcher Schritt wäre ein wirksames
Signal in der eskalierenden Krise der Staatsfinanzen. Sollten aber die
Kirchen weiter auf ihren Sonderprivilegien beharren und sich jeder Einsicht
verweigern, dürfen die politisch Verantwortlichen einer gesetzlichen
Neuordnung der Kirchenfinanzierung nicht länger ausweichen.
Rückfragen
bitte an: Martina Kant (Bundesgeschäftsführerin), Tel.:
(030) 204 502-56, E-Mail: info@humanistische-union.de |
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| Lebenskunde
als Alternative zum Religionsunterricht
Die
Brandenburger Regionalverbände der Humanisten und Freidenker bemühen
sich seit einigen Jahren, dass auch ihr gemeinsamer Dachverband, der Humanistische
Verband Berlin-Brandenburg e.V. (HVBB), als freie Weltanschauungsgemeinschaft
das Recht – wie die beiden christlichen Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften
– erhält, ein eigenes Unterrichtsangebot an Brandenburger Schulen
entwickeln und gestalten zu dürfen. Der Humanistische Freidenkerbund
Brandenburg e.V. ist hierbei von Anfang an ein aktiver Mitwirkender. Nachdem
ein entsprechender Antrag des HVBB vom Potsdamer Bildungsminis-terium abgelehnt
wurde, musste eine Klage des HVBB beim Landesverwaltungsgericht und nun
auch beim Landesverfassungsgericht behandelt werden. Hier gilt das grundsätzliche
Gleichstellungsgebot aller Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften,
neben dem katholischen und evangelischen Religionsunterricht auch „Humanistische
Lebenskunde“ an märkischen Schulen unterrichten zu dürfen.
Das
Landesverfassungsgericht in Potsdam teilte nun mit, dass am 15. Dezember
2005 mit einem Urteil zu rechnen sei. Der Staat ist sowohl nach dem Grundgesetz
und der Landesverfassung als auch nach europäischem Recht zu „weltanschaulicher
Neutralität“ verpflichtet. Niemand dürfe wegen seiner religiösen,
weltanschaulichen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt
werden; dies gilt ebenso für diejenigen Menschen in Brandenburg, die
eine freie humanistische bzw. freidenkerische Weltanschauung besitzen und
sich selbst als konfessionell nicht gebunden betrachten. Das gesellschaftliche
Fundament in Brandenburg wie im übrigen Deutschland ist nicht christlich,
sondern weltanschaulich und kulturell vielfältig geprägt. Die
Bevorzugung der Kirchen zur alleinigen Durchführung eines Religionsunterrichtes
ist nicht gerechtfertigt, denn wir leben in einem säkularen Staat.
Das
Bestreben des Humanistischen Freidenkerbundes, mit dem HVBB ein freiwilliges
Unterrichtsfach Lebenskunde auch in Brandenburg einzuführen, steht
nicht im Gegensatz zu der Unterstützung eines werte- orientierenden
integrativen Unterrichts für alle Schüler, wie er in dem staatlichen
Schulfach Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (LER) im Bundesland Brandenburg
gut realisiert wird. Lebenskunde soll z.B. auch nur in der Grundschule,
eventuell in der Sekundarstufe II sowie an Schulen, wo kein LER durchgeführt
wird, stattfinden. Lebenskunde ist eine Alternative zum Religionsunterricht,
nicht zu LER.
Der
HVBB bereitet sich solide aufgrund vieler Forderungen von Eltern, neben
dem kirchlichen Religionsunterricht auch „Humanistische Lebenskunde“ für
konfessionslose Schüler anzubieten, auf einen eigenen humanistischen
Unterricht in Lebenskunde vor. Die Regionalverbände des HVBB haben
durch ihr zum Teil jahrelanges Wirken vor Ort in der Jugendarbeit, in der
Hilfe für Menschen mit sozialen Problemen, in der Gestaltung eigener
kultureller Angebote wie der Jugendfeier, den Namensfeiern, der weltlichen
Trauerkultur, in der Jugend- und Erwachsenenbildung, in den Aktivitäten
gegen Fremdenfeindlichkeit und für mehr Toleranz und Demokratie in
Brandenburg und vielem mehr bewiesen, dass sie ein verlässlicher und
nicht mehr wegzudenkender Bestandteil sozialer und kultureller Wirklichkeit
in Brandenburg sind.
Dr.
Volker Mueller
Humanistischer
Freidenkerbund Brandenburg |
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| Ludwig-Feuerbach-Gesamtausgabe
in Gefahr
Der
Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. (DFW) musste mit
großer Sorge zur Kenntnis nehmen, dass das Schicksal der neuen Gesamtedition
der Werke, des Briefwechsels und Nachlasses von Ludwig Feuerbach in 22
Bänden ungeklärt ist und die für die Vollendung der Gesamt-edition
notwendigen materiellen und personellen Voraussetzungen bisher nicht vollständig
geschaffen werden konnten.
Mit
dem Ende der Förderung der vollständigen Edition des Gesamtwerks
des großen deutschen Denkers, Philosophen und Religionskritikers
zum 31.12.2004 an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
blieben die drei Bände 15, 16 und (der Abschlussband) 22 noch unvollendet.
Der
Herausgeber der Gesamtausgabe, Prof. Dr. Werner Schuffenhauer weist darauf
hin, dass dringend Hilfe nötig ist. Für eine alsbaldige Fertigstellung
haben er und andere (teilweise arbeitslose) Wissenschaftler Bemühungen
unternommen, die noch notwendigen Arbeiten zum Abschluss zu bringen. Angesichts
der Bedeutung des Vorhabens, dass zur Stellung Feuerbachs im philosophischen
Leben des 19. Jahrhunderts und dass neben der Pflege seines Werkes durch
eine bislang unerreichte Vollständigkeit seiner Veröffentlichungen,
seines Briefwechsels und auch nachgelassener handschriftlichen Fragmente
viele neue Erkenntnisse vermittelt werden, ist es gelungen, durch
die Bundesagentur für Arbeit und das Land Berlin eine großzügige
Förderung zu erreichen. Bedingung dieser Förderung ist allerdings
der Einsatz von Eigenmitteln in Höhe von insgesamt 21000 Euro, die
jedoch nicht vorliegen.
Prof.
Werner Schuffenhauer weist auf die Inhalte der drei noch fehlenden Bände
hin: Die noch abzu-schließenden Arbeiten betreffen erstens den Band
15 (Nachlass III: Erlangen 1835/36), mit den bedeutenden „Vorlesungen über
die Geschichte der neueren Philosophie“, die – entgegen den traditionellen
Darstellungen – nicht erst mit Descartes, sondern bereits mit der italienischen
Aufklärung anheben – und reichen bis zur klassischen deutschen Philosophie,
mit G. W. F. Hegel als ihrem Höhepunkt. Des weiteren enthält
der Band Studien, Kritiken und Aphorismen aus den Jahren 1823–1840, d.h.
aus der Erlanger und der Bruckberger Zeit, in der sich Feuerbach zu einem
schöpferischen philosophischen Kritiker entwickelte.
An
zweiter Stelle steht der Band 16 (Nachlass IV: 1840–1869), mit Beiträgen
aus der Bruckberger und der Nürnberger Zeit, zum „Wesen des Christentums“
und dem „Wesen der Religion“, die hochinteressante Studie „Zinzendorf und
die Herrnhuter“, Ergänzungen zur „Theogonie“, Fragmente zu „Spiritualismus
und Materialismus“ und vor allem die unvollendete Schrift „Zur Moralphilosophie“
aus den Jahren 1868/69.
Drittens
bietet der Abschlussband 22 der Feuerbach-Gesamtausgabe einmal 139 Briefe
aus den letzten Lebensjahren (1869–1872) und 100 bisher kaum bekannte Briefe
von und an Feuerbachs Gattin Bertha und die Tochter Leonore (aus den Jahren
1856–1920, die viel zur Biographie und zur Beurteilung der Persönlichkeit
Feuerbachs beizutragen vermögen). Sie bieten teilweise interessante
Beiträge zur Nürnberger Lokalgeschichte, da sie vorwiegend Nürnberger
Absender oder Empfänger-Adressen tragen.
Mit
dem Abschluss der Briefwechsel-Edition finden sich dann in der Gesamtausgabe
insgesamt über 1200 Briefe und Brief-Entwüfe mit über 120
Korrespondenten, darunter mit so bedeutenden Persönlichkeiten des
geistig-kulturellen und politischen Lebens der Epoche wie Arnold Ruge,
Otto Wigand, Georg Herwegh, Karl Marx, Gottfried Keller, Jakob Moleschott,
Karl Vogt, Richard Wagner, Ferdinand Lassalle oder dem französischen
Arbeiterführer Edouard Vaillant.
Der
Abschlussband enthält weiter Nachträge zu den 12 Schriftenbänden,
darunter eine Reihe erst in jüngster Zeit bekannt gewordener Veröffentlichungen,
und schließlich Dokumente und Abbildungen, Dubiosa und Corrigenda
sowie Indizees der Gesamtausgabe. Zu den Arbeiten am Abschluss der Gesamtausgabe
gehört schließlich die Erfassung aller wesentlichen, im Arbeitsprozess
der Gesamtausgabe ermittelten und benutzten archivalischen und bibliographischen
Grundlagen der Editionsarbeit.
Der
DFW ruft alle Interessenten auf, einen Beitrag bzw. eine Spende für
die geforderten Eigenmittel bereitzustellen. Damit würde ein wichtiger
Beitrag zur Wahrung des Andenkens an den großen religionskritischen
Philosophen, aufklärerischen Denker und freigeistigen Kämpfer
geleistet werden. Zugleich würde so ein wichtiger Beitrag zur Pflege
und Vollendung einer beachtlichen kulturgeschichtlichen Leistung erbracht. |
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| Für
mehr Flexibilität in der Bestattungsform
Zu
ihrem Tag der Bestattungskultur konnte die Freireligiöse Gemeinde
Ludwigshafen auch Bestattungssprecher aus Bayern begrüßen. Nach
einem Workshop für Freireligiöse Bestattungssprecher eröffnete
Ursula Kuntz-Kief, Altrip, den öffentlichen Teil des Tages mit einem
Vortrag zum Thema Freireligiöse Bestattungskultur. Sie wies darauf
hin, dass sie als freireligiöse Bestattungssprecherin besonders darauf
achte, mit Wahrhaftigkeit und Achtung die verstorbene Person zu würdigen
und die Hinterbliebenen dabei zu unterstützen, die der verstorbenen
Person und die ihnen gemäße Form des Abschiednehmens zu finden.
Die innere Haltung, die dabei der Sprecher selbst zum Tod und zu den Menschen
entwickele, müsse in diesem Prozess deutlich werden als Stütze
und Trost und als Ermutigung, den eigenen Weg zur Bewältigung der
Verlusterfahrung zu gehen.
Der
Bestatter Michael Scherer, Limburgerhof, erläuterte im folgenden Vortrag
die Möglichkeiten einer Bestattungsvorsorge, die Menschen zu ihren
Lebzeiten treffen können. Er stellte die rechtlichen Fragen in diesem
Gebiet dar, den Sinn einer Bestattungsvorsorge, der nicht nur darin gesehen
werden sollte, die Angehörigen finanziell zu entlasten, sondern auch,
für sich selbst schon eine würdige Bestattung gemäß
der eigenen Vorstellung sichern zu können. Es sei immer auch eine
Hilfe für die Angehörigen, wenn Wünsche zur Bestattungsforrn
schon zu Lebzeiten in der Familie diskutiert würden, um so auch unterschiedliche
Vorstellungen zu erfahren und ausgleichen zu können. Er erläuterte
die einzelnen Schritte, die es dabei zu beachten gelte und die Finanzierungsmöglichkeiten.
Er wies auch auf Nachteile einer Bestattungsvorsorge hin.
Frank
Schöneberg, Bestatter aus Landau, stellte in seiner Beschreibung,
was eine Totenmaske sei und wa-rum und wie sie zustande komme, einen gleichzeitig
sehr alten und in der Form neuen Weg des Erinnerns und der Trauerarbeit
dar. Das Abnehmen einer Totenmaske, das Festhalten der Gesichtszüge
einer verstorbenen Person in einem Gipsabdruck, könne nicht nur dazu
dienen, eine Erinnerung an den Verstorbenen zu bewahren, sondern auch bei
der Bewältigung der Trauer helfen, so seine Erfahrung. Er wies darauf
hin, dass nicht nur für bedeutende Menschen Totenmasken angefertigt
würden, sondern diese jedem zugänglich seien. Wichtig sei ihm,
die Einzigartigkeit eines verstorbenen Menschen auch darin zu würdigen,
dass eine solche Maske mit einer verlorenen Form gewonnen werde, also jede
Maske ein Unikat bleibe. Man solle sich die Entscheidung, eine solche Maske
von einem Verstorbenen ahnehmen zu lassen, möglichst früh überlegen,
da dafür ja nur der Zeitraum zwischen Tod und Beisetzung, im Normalfall
maximal sieben Tage, bleibe.
Renate
Bauer, Ludwigshafen, Landessprecherin, erläuterte in ihrem Schlussvortrag
Patientenverfügung, Sterbebegleitung und Trauerbegleitung als notwendige
Teile ihrer Betreuung von Menschen. Patientenverfügungen seien nicht
nur Wege, den eigenen Willen deutlich zu machen für einen Zeitpunkt,
wo man selbst als sterbender Mensch sich nicht mehr artikulieren könne,
sondern auch Hilfen, sich das eigene Leben bewusst zu machen und mit den
Angehörigen sich dem Thema Tod, Krankheit, Alter zu nähern und
zu einem gegenseitigen Verständnis der persönlichen Wünsche
zu gelangen.
Wichtig
sei bei einer solchen Verfügung auch die Einbeziehung einer bevollmächtigten
Person, die die niedergeschriebenen Vorstellungen vertreten könne.
Sterbebegleitung sei wichtig nicht nur für den sterbenden Menschen,
sondern auch für die Angehörigen sowohl zu deren Entlastung als
auch zur Beratung und Unterstützung in der Würdigung des Sterbenden.
Dass auch nach der Beisetzung Menschen Hilfe finden müssen in der
Trauerbegleitung, sei ihr seit fast 20 Jahren ein Anliegen. Trauerbegleitung
könne und solle nicht Trauer abkürzen, sondern in der Bewältigung
helfen, ein Netz sein für schwere Momente, denn Trauern sei ungewohnt,
verwirrend, wirke oft abschreckend auf andere und führe immer wieder
zur Vereinsamung. Hier zuzuhören, anzuregen, in schweren Zeiten Stütze
zu sein, wenn ein Mensch sich ganz in die Trauer hineinfallen lassen müsse,
Blockaden zu erkennen und überwinden zu helfen, sei dabei die Aufgabe
einer guten Trauerbegleitung. Immer gelte es, die innere Haltung der Trauernden
he-rauszuarbeiten, wodurch jemand zurück ins Leben finde. Sie warnte
dabei vor vorschnellen Lösungs- und Tröstungsversuchen in Form
von ausschließlichem Jenseitsbezug, denn die Hinterbliebenen müssen
weiter im Jetzt zurechtkommen.
In
der lebhaften Diskussion, die sich jedem Vortrag anschloss, wurde unter
anderem diskutiert, welche Bestattungsmöglichkeiten zugänglich
seien und ob die vor Ort angebotenen MögIichkeiten den Bedürfnissen
der Menschen noch gerecht würden. Allgemein wurde der Wunsch nach
mehr Flexibilität in der Bestattungsform deutlich, so die Anregung,
Bestattungen unter Bäumen auch auf städtischen Friedhöfen
und nicht nur in einem Friedwald zu ermöglichen oder Rasengräber
einzurichten.
Freireligiöse
Landesgemeinde Pfalz |
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| Zwei
runde Geburtstage im Jahr 2006: Freigeistige Aktion für humanistische
Kultur und Freireligiöse Gemeinde Neu-Isenburg werden 100 Jahre
alt
Im
kommenden Jahr feiern die Freigeistige Aktion für humanistische Kultur
e.V. (F.A.) und die Freireligiöse Gemeinde Neu-Isenburg, beide Mitglied
im Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. (DFW) ihre 100.
Geburtstage.
Unter
anderem ist vorgesehen, dass die 1906 als Deutscher Monistenbund gegründete
F.A. in Zusammenarbeit mit dem Angelika Lenz Verlag ein Buch über
Geschichte und Wirken des Monistenbundes herausgibt, an dessen Entstehung
sich eine Reihe von Autoren beteiligt. Das Haeckel-Haus in Jena, die „Villa
Medusa“, wird 2006 eine Ausstellung präsentieren, die das Wirken des
Gründers Ernst Haeckel zum Thema haben soll.
Die
im Laufe ihrer Geschichte zweimal umbenannte F.A. (seit den 50er Jahren
bis 2003 hieß sie Freigeistige Aktion/Deutscher Monistenbund e.V.)
ist ein relativ kleiner, jedoch recht aktiver Bund, dessen Mitglieder im
gesamten Bundesgebiet und im europäischen Ausland verteilt leben.
Die
alle zwei Jahre stattfindende Bundesversammlung wählte kürzlich
Arnher E. Lenz erneut zum Vorsitzenden, Klaus Hofmann zum stellvertretenden
Vorsitzenden, Angelika Lenz zur Kassenführerin, Manja Stegemann zur
Schriftführerin sowie Dr. Peter Jäckel als Beirat. Im Anschluss
wurde am selben Wochenende ein Kosmologie-Seminar veranstaltet (s. Seite
1 f.).
Die
ebenfalls 1906 gegründete Freireligiöse Gemeinde Neu-Isenburg
wird im März 2006 zu einer Matinee einladen und am 24. September 2006
die offizielle 100-Jahr-Feier in der Neu-Isenburger Hugenottenhalle ausrichten.
Gleichzeitig findet am 24.09.2006 der Hessische Landestag der Freireligiösen
Landesgemeinschaft Hessen, K.d.ö.R., statt, deren Mitglied die Freireligiöse
Gemeinde Neu-Isenburg ist.
Geplant
ist, dass sich die Freigeistige Aktion an der Feier der Freireligiösen
Gemeinde Neu-Isenburg beteiligt. Damit würde eine alte Tradition fortgeführt,
da Freireligiöse und Monisten schon in früheren Zeiten gemeinsame
Ziele verfolgten und im Sinne der freigeistigen Bewegung zusammengearbeitet
haben. |
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